3. Einfluss der NS-Ideologie auf die Juristenausbildung

3.1.2.4. Arbeitsdienst als Voraussetzung zur Prüfung

Ein weiterer Anhaltspunkt für die „Gemeinschaftserziehung“ der jungen Rechtswahrer ist die in § 2 JAO verlangte Ableistung eines Arbeitsdienstes. Der Gedanke des Arbeitsdienstes, eine Zusammenfassung von jungen Menschen unterschiedlichster Herkunft und Bildung zur Verrichtung körperlicher Arbeiten, war zwar keine Erfindung der Nationalsozialisten, da schon durch eine Verordnung vom 6.7.193265 aus der Not der Zeit heraus ein freiwilliger Arbeitsdienst eingerichtet wurde66. Aber schon im Herbst 1933 machten ihn die Nationalsozialisten zur Pflicht, so dass im Sommersemester 1934 zum ersten Mal männliche Studenten für zehn Wochen zum Arbeitsdienst eingezogen wurden67. In diesem Arbeitslager erlebt der junge Student die „völkische Ganzheit“ aus der Schicksalsgemeinschaft der Arbeit … heraus68. „Er erfährt, daß der einzelne Mensch für sich nichts Selbständiges, Ganzes ist, sondern abhängiges und dienendes Glied an einer höheren Lebenseinheit, aus der er wächst und wird …“69.

An diesem Zitat eines jungen Rechtswahrers wird sehr deutlich, dass Ziel des abzuleistenden Arbeitsdienstes die Heranziehung, dem Volke dienender, junger Menschen war. Dass Hitler mit seiner Strategie der Entindividualisierung der Rechtswahrer Erfolg hatte, wird mit diesen Worten unzweifelhaft hervorgebracht.

Ein weiterer Punkt, der die Bedeutsamkeit des Arbeitsdienstes untermauert, ist ebenfalls wieder die Stellung innerhalb der JAO. Hier ist die Gemeinschaftserziehung im Arbeitsdienst (§ 2 JAO) noch vor der allgemeinen völkischen Bildung (§ 4 JAO) und dem Fachstudium (§ 5 JAO) plaziert. Nicht zuletzt stellt die vom Rechtswahrer erwartete Vorlage des Arbeitspasses bei der Anmeldung zur juristischen Prüfung, den bedeutsamen Stellenwert des Arbeitsdienstes und seiner völkischen Erziehung dar.


Fußnoten:

65) vgl. RGBl. 1932 I, 352.
66) vgl. Pientka, S. 33.
67) vgl. dazu Hamburger-Lohse, DJZ, 1934, 610f.
68) Hamburger-Lohse, aaO.
69) zit. Hamburger-Lohse, DJZ, 1934, 610.


Geschichte der Juristenausbildung

Seminararbeit: "Die Juristenausbildung unter dem Einfluss nationalsozialistischen Gedankengutes"






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