3. Einfluss der NS-Ideologie auf die Juristenausbildung

3.1.2.5. Rolle der Frauen

Die Stellung der Frauen innerhalb des Rechtsstudiums wird anhand einiger Formulierungen der JAO von 1934 deutlich. Diese Formulierungen sind jedoch recht schwammig und lassen dadurch viel Interpretationsspielraum. So ist in § 2 u.a. von der körperlichen Stählung die Rede, „wie es einem jungen deutschen Manne“ abverlangt werden könne. Des Weiteren ist in § 4 Abs. 2 die maskuline Formulierung, „…wie man es von einem gebildeten deutschen Manne erwarten muß…“ enthalten. Darüber hinaus ist die gesamte JAO lediglich von männlichen Formulierungen, wie „der Bewerber“, „der Student“ oder „der Gerichtsreferendar“ durchzogen. Das weibliche Gegenstück zu diesen Begriffen ist nicht enthalten.

Anhand dessen kann man zu dem Schluss kommen, dass Frauen seit der Machtübernahme „die Erlangung der Befähigung zum Richteramte versperrt“70 war, auch wenn weder im Gerichtsverfassungsgesetz noch in der JAO ein ausdrückliches Zulassungsverbot enthalten war.71

Anderer Ansicht ist jedoch Pientka, die zwar mit der Machtübernahme einen Rückschlag für die angehende Gleichberechtigung der Frau auf dem Gebiet der juristischen Betätigung sah72, ein Studium des Rechts jedoch nach wie vor für möglich und durchführbar hielt.

Jedoch lässt sich die Berechtigung der Frauen zum Studium aus dem typisch-nationalsozialistischen Standpunkt erschließen, „daß die Frau zwar in allen Bereichen des völkisch-staatlichen Lebens mit einbezogen werden solle, aber nur insoweit, als dort zu ihrer Gestaltung spezifisch frauliche Kraft verlangt werde“73. Eine derartige Aufgabe wurde etwa in der „Volkserhaltung“ gesehen74, nicht aber in der Rechtspflege. Dies wird auch im folgendem Ausspruch deutlich: „Alles ist im Nationalsozialismus Frauenberuf und Frauenberufung, was mit Fraulichkeit und Muttersein zusammenhängt. Es gehört zum ureigenem Wesen der Frau, bei ihrer Familie zu bleiben.“75

Nach dem Willen des neuen Gesetzes durften also nur Männer zur ersten juristischen Staatsprüfung zugelassen werden76, was auch anhand des § 10 Abs. 1 Buchstabe f zu belegen ist. Danach ist bei der Prüfungsmeldung „die vorgeschriebene Erklärung über die arische Abstammung des Bewerbers und seiner Ehefrau“ einzureichen. Kämen auch Frauen für die Zulassung in Betracht, so müsste die Bestimmung von „Ehegatten“ sprechen und dürfte nicht bloß von einer „Ehefrau“ handeln77. Auch nach Auffassung des führenden Kommentars zur JAO sei es „Sache des Mannes, das Recht zu wahren“78.

Somit durften die Frauen zwar studieren, jedoch lag es – zumindest in den Vorkriegsjahren – nicht im Interesse der Nationalsozialisten, das Rechtsstudium der Frauen zu fördern79, vielmehr wurde vom Rechtsstudium dringend abgeraten80, was unter dem Gesichtspunkt der „Überfüllung“81 des Studiengangs „gerechtfertigt“ wurde. Damit wurde die von der NS-Ideologie definierten Funktion der Frau für die völkische Gemeinschaft auf die Juristenausbildung transferiert. Der Platz der Frauen war danach nicht der Richterstuhl – sondern der heimische Familienherd.


Fußnoten:

70) so Wagner, S. 35.
71) Wagner, aaO.
72) so Pientka, S. 30.
73) zit. nach Pientka, S. 30.
74) Pientka, S. 30.
75) zit. nach Pientka, S. 30.
76) Wagner, S. 35.
77) Wagner, S. 36.
78) vgl. Palandt-Richter (1934), § 2 Rdnr. 3
79) Pientka, S. 52.
80) Palandt-Richter (1934), § 2 Rdnr. 3.
81) Pientka, S. 35.


Geschichte der Juristenausbildung

Seminararbeit: "Die Juristenausbildung unter dem Einfluss nationalsozialistischen Gedankengutes"






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