3. Einfluss der NS-Ideologie auf die Juristenausbildung

3.1.3. Einfluss des Antisemitismus

Charakteristisch für die NS-Herrschaft ist die Verdrängung alles jüdischen aus dem gesellschaftlichen Leben der Volksgemeinschaft. Dieses Merkmal machte natürlich auch nicht vor der Juristenausbildung halt. Es verdammte ganz offensiv alles jüdische aus der Rechtswissenschaft: So waren in Baden nach einer Anordnung des Badischen Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 8.4.1933 alle jüdischen Dozenten und Assistenten an den Universitäten sofort zu beurlauben82.

Am 8.12.1938 wurde allen ausgeschiedenen jüdischen Professoren und Lehrkräften jede private wissenschaftliche Tätigkeit in den Hochschuleinrichtungen (Institute, Bibliotheken usw.) untersagt83.

Der Reichskommissar für die preußische Justiz verfügte am 31.3.1933 im Wege einer einstweiligen Anordnung für Preußen die Zwangsbeurlaubung jüdischer Richter und sonstiger jüdischer Juristen, die bei Gerichten beschäftigt waren. Das Betreten der Gerichtsgebäude wurde ihnen verboten.84

Zwangsläufige Folge des antisemitischen Rassenwahns war es, dass die Werke jüdischer Autoren keine Chance mehr hatten, die Zensur zu passieren. Weder wurden Neuauflagen zugelassen noch wurde ehemaligen Standardwerken ein Platz in den Büchereien eingeräumt. Aus ihnen durfte nicht einmal zitiert werden, es sei denn, dass dies zur Darstellung jüdischer Mentalität im Recht erforderlich wurde.85

Diese Beispiele für eine Entjudung der Juristentums lassen sich beliebig fortführen, jedoch würde dies den Rahmen dieser Darstellung bei weitem sprengen. Bezeichnend für die Entjudung der völkischen Gemeinschaft und somit auch des „Rechtswahrertums“ ist die Einfügung sog. „Arierparagraphen“ in die JAO. Nach § 10 Abs. 1. Buchstabe f war der Meldung zur ersten juristischen Staatsprüfung eine „Erklärung über die arische Abstammung des Bewerbers“ beizulegen. Personen „nichtarischer“ Abstammung durften nicht in den Vorbereitungsdienst und damit in den Beamtenstatus übernommen werden, und da die erste Prüfung nur eine Eingangsprüfung für diesen Dienst war, blieb sie ihnen ebenfalls verschlossen86. Somit wurden jüdische Studenten ab Mitte 1933 nicht mehr zur Prüfung zugelassen.


Fußnoten:

82) Rüthers, NJW 1988, 2825 (2826).
83) Rüthers, NJW 1988, 2825 (2826).
84) Rüthers, NJW 1988, 2825 (2828).
85) Pientka, S. 28.
86) Pientka, S. 51.


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Geschichte der Juristenausbildung

Seminararbeit: "Die Juristenausbildung unter dem Einfluss nationalsozialistischen Gedankengutes"






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