3. Einfluss der NS-Ideologie auf die Juristenausbildung

3.1.4. Einfluss der antidemokratischen Haltung

Auch hatte die antidemokratische Haltung der NS-Führung, insbesondere Hitlers, starken Einfluss auf die Ausgestaltung des juristischen Studiums. So sollte nichts mehr an den Juristen des alten Typs der liberalen und demokratischen Zeit erinnern. Somit war auch die Systematik der liberalen Ära hinsichtlich der Prüfungsfächer vorbei. In § 5 JAO wurden nun die Fächer aufgezählt, auf die sich die juristische Staatsprüfung erstreckte:

Auffällig und zugleich charakteristisch ist dabei in Abkehr von früheren Prüfungsordnungen die Einordnung der Themen nach sogenannten „Lebensgebieten“ (Recht des Staates, der Familie, des Bauern) und nach „Hauptaufgaben, die dem Recht sonst gestellt sind“ (Schutz der geistigen und künstlerischen Schöpfungen, der Herrschaft über Sachgüter, usw)87. Dabei ist, getreu der nationalsozialistischen Gemeinschaftsideologie, das „Recht des Staates“ vor dem „Recht des Einzelnen“ plaziert worden88, obwohl angeblich die aufgeführten Fächer in keiner Rangordnung stehen sollen89. Auffallend bei der Bezeichnung der Prüfungsfächer war vor allem, dass konventionelle Bezeichnungen, wie beispielsweise Schuldrecht und Sachenrecht aus dem BGB, mit akribischer Genauigkeit vermieden wurden. Dies ist einmal mehr Ausdruck für die nationalsozialistische Kampfansage an das Pandektensystem des BGB90, was als „römisch-rechtlich“ verpönt war91.


Fußnoten:

87) Palandt-Richter (1934), § 5 Rdnr. 1.
88) so Pientka, S. 42.
89) so von Wagner, S. 45 behauptet.
90) Pientka, S. 44.
91) Pientka, S. 28.


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Geschichte der Juristenausbildung

Seminararbeit: "Die Juristenausbildung unter dem Einfluss nationalsozialistischen Gedankengutes"






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