1. Gesellschaftliche Situation vor 1933

1.3. Rechtlich

Im rechtlichen Bereich sollen zunächst die allgemeinen Verhältnisse in der Juristerei (Justiz) und danach in der Rechtslehre, insbesondere der universitären Juristenausbildung beleuchtet werden.

1.3.1. Justiz

Die in der Justiz tätigen Richter der Weimarer Zeit waren größtenteils unpolitisch eingestellt. Sie waren im rechtsstaatlichen Denken und in Gesetzestreue erzogen und bemühten sich sachlich, unparteiisch und pflichttreu zu arbeiten1. Von dieser politischen Passivität profitierten auch die Nationalsozialisten, die bei ihrer Machtergreifung auf keinen hartnäckigen Widerstand der Richterschaft trafen2.

1.3.2. Rechtslehre

Die Juristische Ausbildung an den Universitäten zur Zeit der Weimarer Republik war sehr uneinheitlich. Zwar gab es eine "Fähigkeit zum Richteramte", die für ganz Deutschland galt, sie konnte jedoch nur in einem Bundesstaate (Land) erworben werden3. Die Organisation der Hochschulen und somit auch der juristischen Fakultäten oblag der Hoheit der Länder. Dadurch bedingt sind viele Unterschiede, bezüglich der Studieninhalte, der Studiendauer und der Examensprüfungen zu verzeichnen.

Die Zulassung zur ersten juristischen Prüfung setzte nach Reichsrecht - § 2 Gerichtsverfassungsgesetz - zwar ein dreijähriges Rechtsstudium an einer Universität voraus, jedoch stand es den einzelnen deutschen Ländern frei, diesen Zeitraum zu verlängern4. So war die Studiendauer im süddeutschen Raum länger als in Norddeutschland. In Bayern war das Studium auf acht Semestern angelegt und in Württemberg, Baden und Hessen konnten sich die Studenten erst nach dem siebten Semester zur Prüfung anmelden. Im Gegensatz dazu hielt man im preußischen Raum an der dreijährigen Studienzeit fest.5

Des Weiteren divergierte die Ausgestaltung der ersten juristischen Prüfung - Referendarprüfung - in den einzelnen deutschen Ländern. So wurden die Schwerpunkte innerhalb der Prüfungsteile: häusliche Prüfungsarbeit, Klausurarbeiten und mündlicher Prüfung unterschiedlich gesetzt. In Preußen beispielsweise wurde für die Bearbeitung und Ablieferung in Reinschrift der häuslichen Prüfungsarbeit eine Frist von sechs Wochen gewährt (§ 11 AusbildungsO)6. Die Anzahl der zu schreibenden Klausuren bemaß sich auf vier, die je an einem Tage innerhalb von zwei Wochen anzufertigen war7. Der Bereich der mündlichen Prüfung war auf zwei Prüfungstage aufgesplittet, die sich alsbald an die schriftlichen Arbeiten anschlossen.

Am ersten Tage umfaßte die Prüfung das gesamte Privatrecht, das Strafrecht, die Grundzüge des Zivilprozeß- und Strafprozeßrechts sowie der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Am zweiten Tage waren die Bereiche des Staats- und Verwaltungsrechts, die Grundzüge des Finanz- und Steuerrechts, des Völkerrechts und des Kirchenrechts Gegenstand der Prüfung.8

Die Unterschiedlichkeit der juristischen Ausbildung im "zweiten Reich" wird zum einen daran deutlich, dass die Anzahl der zu schreibenden Aufsichtsarbeiten von drei bis fünf divergierte und der Stellenwert der wissenschaftlichen Hausarbeit unterschiedlich angesetzt war9. Zum anderen gab es seit Beginn des 20. Jahrhunderts und den damit verbundenen einheitlichen Rechtsquellen (z.B.: Bürgerliche Gesetzbuch seit 1900 in Kraft) eine verstärkt aufkommende Diskussion über eine Reform des juristischen Studiums und einer "Verreichlichung" des Rechtsunterrichts an den deutschen Hochschulen10.

Insgesamt betrachtet war das Studium des Rechts zur Zeit der Weimarer Republik zwar regional sehr unterschiedlich aufgebaut, jedoch ließ es dem Studierendem, nicht zuletzt durch einen liberal-demokratischen Staat im Rücken, eine gewisse Freiheit seinen Studienablauf innerhalb der Studienordnung, die sich auf die juristisch-fachliche Qualifikation beschränkte, zu gestalten.11


Fußnoten:

1) Eisenhardt, Rdnr. 656.
2) Wassermann, S. 35.
3) Wagner, Vorw. S. III.
4) David, S. 2.
5) David, S. 2.
6) David, S. 24.
7) David, S. 27.
8) David, S. 29.
9) Wagner, Vorw. S. III.
10) vgl. dazu Gerland, S. 11.
11) so auch David, S. 1f.


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