2. Nationalsozialistisches Gedanken"gut"

2.2.2. Antisemitismus

Durch diese Rasseneinteilung entstand eine, in den Augen der Rassentheoretiker und Nationalsozialisten, geringwertige Rasse: die der Juden.

Damit das Bild des Juden Gefühle erwecken konnte, pro oder contra, musste es verallgemeinert, abstrahiert und entpersönlicht werden. Für Hitler, der diese Rassentheorien benutzte, um die Abstraktion des Juden voranzutreiben und seine Individualität zu leugnen, durfte der Antisemitismus nicht "den Charakter einer bloßen Gefühlserscheinung" erhalten, sondern müsse "als politische Bewegung durch die Erkenntnis von Tatsachen" bestimmt sein: durch die Rasse.30

Der Jude wurde damals in der Form stereotypisiert, indem das Judentum als ein materialistisches Fossil ohne irgendeinen ethischen Impuls sei31. Der Jude stand am Fuß der Entwicklungsleiter und unterschied sich stark vom nordischen Menschen. Seine äußere Erscheinung, die durch eine nachlässige Haltung, gekrümmte Schultern, eine Neigung zur Fettleibigkeit und wullstige, lüstern-sinnliche Lippen charakterisiert wurde, war das genaue Gegenteil der schlanken und wohlgeformten Statur des Ariers32. Dieses körperliche Stereotyp wurde durch einen Katalog von angeblich typisch jüdischen Gesten und Zügen ergänzt, um so die einseitige jüdische Neigung zu Materiellem, zu Macht und Profit zu dokumentieren33.

Durch die Rassentheorien wurde der Antisemitismus bodenständiger und fassbarer gemacht und dienten zugleich als "wissenschaftliche" Legitimation dessen34.

2.3. Antidemokratische Haltung

Das in der NS-Ideologie verankerte antidemokratische Denken richtete sich vor allem gegen den Parlamentarismus und das Parteiensystem. So forderte Carl SCHMITT eine "totale Demokratie", in der es liberale Prinzipien nicht mehr geben sollte35. Auch spielten hierbei die persönlichen Erfahrungen Hitlers eine ganz erhebliche Rolle. Sein völkisches Nationalbewußtsein entwickelte sich bereits in seiner Wiener Zeit zu einem antisemitischen, antimarxistischen und antidemokratischen Komplex36.

2.4. NS-Rechtsidee

Ein weiterer, sehr bedeutsamer Aspekt der NS-Ideologie ist deren innewohnende Rechtsidee. Danach war der Nationalsozialismus die dem deutschen Recht nunmehr vorgegebene Weltanschauung37. Das Parteiprogramm der NSDAP wurde für das Rechtsdenken und die Rechtswirklichkeit des Dritten Reiches als gültig erklärt, und zwar nicht als formelles Gesetz, sondern kraft des schöpferischen Willens des Führers.38 Die nationalsozialistische Grundidee wurde somit zum Naturrecht erhoben39, das jedes geltende Gesetzesrecht verdrängen kann40.


Fußnoten:

30) zit. nach Mosse, S. 317.
31) Mosse, S. 141.
32) Mosse, S. 318.
33) ders. aaO.
34) Mosse, S. 318.
35) vgl. Eisenhardt, Rdnr. 623.
36) Breitling, S. 18f.
37) Rüthers, NJW 1988, 2825 (2832).
38) zit. nach Eisenhardt, Rdnr. 643.
39) Kalbhen, S. 98.
40) Rüthers, NJW, 1988, 2825 (2832).


Geschichte der Juristenausbildung

Seminararbeit: "Die Juristenausbildung unter dem Einfluss nationalsozialistischen Gedankengutes"






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