3. Einfluss der NS-Ideologie auf die Juristenausbildung

Dass diese ideologischen Grundsätze mit der Machtergreifung von 1933 auch auf die Juristenausbildung Auswirkungen haben sollten, ist anhand dieses Abschnitts der Darstellung nachzuweisen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten vom 30.01.1933 sollten vor allem zwei neue Justizausbildungsordnungen (1934 und 1939) Einfluss auf die juristische Ausbildung der deutschen Studierenden haben.

3.1. Auswirkungen der Justizausbildungsordnung vom 22. Juli 1934

Auf Grund des Artikels 5 des ersten Gesetzes zur Überleitung der Rechtspflege auf das Reich vom 16. Februar 1934 wurde für das ganze Reich eine neue Ausbildungsordnung41 erlassen, die am 01. Oktober 1934 in Kraft trat.

Welche einschneidenden Veränderungen diese JAO für die gesamte Rechtslehre mit sich brachte, wird schon an deren Geltungsbereich deutlich. Von nun an übernahm das »Dritte Reich« die Hoheitsrechte der Länder und somit auch die Rechtspflege und das dazugehörige Ausbildungs- und Prüfungswesen42. Es kam also zu einer Vereinheitlichung der juristischen Ausbildung im gesamten deutschen Reich, was nicht zuletzt auch Ausdruck des nationalsozialistischen Führerprinzips ist.

Dass dies nicht die einzige Erneuerung der NS-Führung bleiben sollte, lässt sich bereits anhand des Leitsatzes, der das »Ziel der Ausbildung« (JAO) charakterisieren sollte, belegen:

»Ziel der Ausbildung des Juristen ist die Heranziehung eines in seinem Fach gründlich vorgebildeten, charakterlich untadelhaften Dieners des Rechts, der im Volk und mit ihm lebt und ihm bei der rechtlichen Gestaltung seines Lebens ein unbestechlicher und zielsicherer Helfer und Führer sein will und kann. Um dies zu erreichen, muss die Ausbildung den ganzen Menschen ergreifen, Körper und Geist zu gutem Zweiklang bringen, den Charakter festigen und den Willen stärken, die Volksgemeinschaft im jungen Menschen zu unverlierbarem Erlebnis gestalten, ihm eine umfassende Bildung vermitteln und auf dieser Grundlage ein gediegenes fachliches Können aufbauen.«

Der Kampf des Nationalsozialismus galt der Ausmerzung des alten Juristentyps, der angeblich aufgrund übermäßiger begrifflicher Aufspaltung des Rechts den Überblick über die natürlichen Zusammenhänge zwischen Volk, Sittlichkeit und Recht verloren hatte43. Der Nationalsozialismus setzte alles daran, den unpolitischen Geist des liberalen Zeitalters auszurotten44 und eine neue Form von "Rechtswahrern"45 zu erschaffen. Dem Ziel der Politisierung des Juristenstandes, und hier insbesondere des juristischen Nachwuchses, wurde höchste Bedeutung beigemessen, ging es doch darum, mit seiner Hilfe den Totalitätsanspruch der NSDAP in dem auf tausend Jahre angelegten Reich zu verfestigen und damit die politische Führung zu stabilisieren46.

Vision der NS-Führung war demnach die Schaffung eines vom Nationalsozialismus durchtränktem Rechtswahrertum, der die totalitäre Macht des politischen Führers sichern und damit als Machtinstrument fungieren sollte. Nichts sollte mehr an den Juristen alten Typs erinnern - was durch eine völlige Neuordnung der JAO versucht wurde, zu verwirklichen.


Fußnoten:

41) nachfolgend als "JAO" oder "JAO (1934)" abgekürzt.
42) Wagner, S. IV.
43) Pientka, S. 23.
44) ders., aaO.
45) Begriffsschöpfung in der nationalsozialistischen Zeit.
46) Pientka, S. 23.


Viele Fachwirt-Kurse online

Geschichte der Juristenausbildung

Seminararbeit: "Die Juristenausbildung unter dem Einfluss nationalsozialistischen Gedankengutes"






Über die Arbeit :: Links :: Impressum


Sie sind hier: Home » 3. Einfluss der NS-Ideologie auf die Juristenausbildung