3. Einfluss der NS-Ideologie auf die Juristenausbildung

3.1.2. Einfluss des Völkischen Nationalsozialismus

Ausdruck dessen soll die oben bereits beschriebene "Idee der Volksgemeinschaft" sein, in der jeder Volksgenosse ein Glied einer Gemeinschaft ist, die ihm sein Platz vorgibt.

3.1.2.1. "Volk" - als Basis und Quelle nationalsozialistischer Rechtswahrerausbildung

Um das Ziel des "nationalsozialistisch durchtränkten Juristen"52 zu erreichen, war es notwendig ihm einer intensiven Schulung zu unterziehen. Voraussetzung für eine geistig-ideologische Ausrichtung der Juristen war zunächst, den einzelnen seiner Individualität zu berauben53. Man wollte die Rechtswahrer zur Gemeinschaft, dem tragenden Prinzip des ganzen völkischen Lebens, erziehen54. Aus diesem Grund war die ganze JAO mit "völkischen Floskeln" durchzogen. Dies wird schon in der im Leitsatz enthaltenden Formulierung ... "Dieners des Rechts, der im Volk und mit ihm lebt" ... deutlich und setzt sich in dem "unvergeßlichem Erlebnis des jungen Menschen in der Volksgemeinschaft" fort. Angesichts dessen, dass dies das Ziel der juristischen Ausbildung darstellen sollte und von der Entwicklung juristischer Fähigkeiten kaum noch die Rede ist, kann man zu dem Ergebnis kommen, dass primäres Ziel die Heranziehung unkritischer und gefolgsamer Volksgenossen war und weniger die Entwicklung gebildeter Menschen auf dem Gebiet des Rechts. Dies lässt sich beispielsweise auch mit den häufigen, rechtsfeindlichen Äußerungen Hitlers belegen, der generell eine tiefe Abneigung gegen die Justiz und die Juristen hegte55, so dass ihm an einem ordentlichen rechtswissenschaftlichen Studium wenig gelegen war.

3.1.2.2. Entindividualisierung und Entliberalisierung

Die Bewegungsfreiheit, die dem Studenten in der liberalen Ära für persönliche Lebensführung und Einrichtung des Studiums gewährt wurde, verschwand unter dem nationalsozialistischen Geist zusehends zugunsten eines Pflichtenprogramms, bestehend aus Arbeitsdienst, Frauendienst, Leibesübungen, SA-Dienst, das jeder Student neben seinem Fachstudium zu absolvieren hatte56. Darüber hinaus wurden den Studenten noch Schulungen seitens der Fachschaften über die "Nationalsozialistische Weltanschauung" auferlegt57. Der Zeitrahmen der Studenten wurde dadurch so stark eingegrenzt, dass nur noch ein Leben in der völkischen Gemeinschaft möglich war und jegliche Individualität verloren ging. Zudem war das zu absolvierende Pflichtenprogramm sehr zeitintensiv, so dass es zweifelhaft war und ist, ob dem Studenten für sein Fachstudium überhaupt noch Zeit blieb.

Des Weiteren wurde durch Erlass des Reichserziehungsministers vom 22.02.1937 die Möglichkeit eines Hochschulwechsels dahingehend eingeschränkt, dass die Freizügigkeit der Studenten während der ersten drei Semestern aufgehoben wurde, um somit eine engere Bindung der Studenten an ihre Hochschule und gleichzeitig die Möglichkeit einer besseren politischen und weltanschaulichen Erziehung zu erreichen58.


Fußnoten:

52) vgl. Rothenberger, S. 17.
53) Pientka, S. 25.
54) ders. aaO.
55) vgl. Eisenhardt, Rdnr. 635.
56) vgl. Pientka, S. 31.
57) Pientka, S. 32.
58) vgl. Pientka, S. 35.


Geschichte der Juristenausbildung

Seminararbeit: "Die Juristenausbildung unter dem Einfluss nationalsozialistischen Gedankengutes"






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